Wohnzimmer

Die allseits bekannte und berühmte Stadt da draußen ist dunkel (Dämmerung) und groß und voll riesiger Vergangenheits- und Erinnerungsmonstrosität. Wir bewegen uns, weil es der einzige erträgliche Lebensraum ist, fast ausschließlich, je nach Möglichkeit, unter Flohmarktmöbeln, Überresten und Trümmern untergegangener Zeiten, die wir in notdürftig rekonstruierten Räumen unter halbem Licht aus roten Birnen arrangiert haben. Wir unterhalten uns dort mit Vorsicht, gebrannte Menschen, die daran arbeiten, ihre Vergangenheit lautlos davonschlüpfen zu lassen und sich hier, unter den gegebenen Bedingungen, ein Weiterleben zu basteln. Wir stoppeln Besinnung zusammen, wir ziehen von Hotel zu Lokal, bei aller klugen Abweisung der kalten Dunkelheit da draußen gibt es Überfluss und große Wärme, die von tief in personalen Öfen glüht. Und wir sind behindert an beiden Beinen vor Liebe, und es gibt Lokale, die wir meiden müssen, oberflächliche Troste, die wir uns weislich versagen, oder auch nicht, wenn wir stürzen, wenn wir fallen und einander auf einmal schön finden. Wenn wir uns uns doch versagen, dann aus Vernunft, die aus Tiefen springt wie ein Ölquell, übermäßig und stramm, wüst sprengend aus bloßem Sich-einmal-überzeugt-Haben. Es geht darum, endgültigen Untergang zu umgehen, und dies muss im Inoffiziellen und Privaten geschupft werden. Wir sind müde, wir sind klug, wir sind kaputt, wir haben überlebt, wir versuchen uns nicht ständig allzu genau zu erinnern.

(c) AusnahmeVerlag & Ann Cotten
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